Was bietet der Bericht politische Bildung 2002?

Mit dem Bericht politische Bildung 2002 werden die wesentlichen Ergebnisse einer repräsentativen  Bevölkerungsbefragung zur politischen Bildung vorgelegt. Das aus drei Einzelumfragen bestehende Berichtssystem – einer telefonischen Befragung mit 1.000 Interviews und zwei face-to-face-Befragungen mit je 2.000 Interviews – liefert Erkenntnisse zu

(1)     dem Bedarf der Bevölkerung an konkreten politischen Bildungsinhalten und –formen,

(2)     dem Potenzial außerschulischer politischer Bildung in Deutschland,

(3)     den Motiven zur Teilnahme an politischen Bildungsangeboten und

(4)     den Erwartungen der Bürger an Bildungsangebote[1] und –träger[2].

Mit der Database können erstmals beispielsweise Aussagen darüber getroffen werden, welche Gruppen (Alter, Geschlecht, Schulbildung, Einkommen etc.) in welchen Regionen sich für welche politischen/gesellschaftlichen Themen interessieren und dazu welche Bildungsform (Seminar, Vortrag, politisches Fahrradfahren, Studienreisen, Internetangebote, Gesellschaftsspiele etc.) nutzen würden. Ebenso wird deutlich, welche Anforderungen der Bildungsträger erfüllen muss, wie hoch die Bereitschaft ist, es tatsächlich zu nutzen und welche Motive die Teilnahmebereitschaft leiten.

 

Mit diesen Marktforschungsdaten liegt erstmals ein umfassendes Berichtssystem zur außerschulischen politischen Bildung vor, das diese Lücke schließt und ...

        ... durch das die Bürgerinnen und Bürger als Bildungspartner ernst genommen und ihre Erwartungen objektiv sichtbar werden.

        ... mit dem Bildungsträger ihre Angebote attraktiver gestalten können, um so mehr bzw. neue Teilnehmer(gruppen) zu erreichen und eigene Ressourcen kosten- und zeitsparend (treffgenauer) einzusetzen.

       ... mit dem Landeszentralen und bundesweit tätige Bildungsträger mit regionaler Präsenz neben dem bundesweiten Datenbild auch Erkenntnisse zu den Regionen erhalten, in denen sie tätig sind.

       ... mit dem eine Legitimationsbasis gegenüber Politik und Zuwendungsgebern geschaffen wird.

       ... durch das Wissenschaft und Praxis mehr über die Einstellungen und Erwartungen der Bürger (der Erreichbaren und der Unerreichbaren) gegenüber politischer Bildung erfahren.

       ... mit dessen Hilfe politische Bildung und Politikdidaktik insgesamt ihre Wahrnehmung in der Bevölkerung und gegenüber Multiplikatoren verbessern und sich über ihren aktuellen Standort bewusst werden können.

       ... durch den bürgergesellschaftliche Akteure wie Ministerien, Ehrenamtsagenturen, Unternehmen, Verbände etc. Daten erhalten, mit denen sie im Rahmen ihres Engagements arbeiten können.

       ... das neben den Erkenntnissen zu allen wichtigen Lernfeldern politischer Bildung (vom europabezogenen Lernen, über das ökonomische Lernen bis hin zu geschlechtsspezifischen Bildungsthemen), den über die Berichterstattung in den Medien vorhandenen Bedarf der Bürgerinnen und Bürger an Dienstleistungsangeboten zum bevorstehenden Wahlkampf ermittelt.

 

Der Bericht politische Bildung 2002, der auf Grund der rund 52.000 Euro Studienkosten durch ein Bündnis von politischen Bildungsträgern und Wirtschaftsunternehmen teilfinanziert und unterstützt wird, ist Teil eines interdisziplinären Forschungsprojektes des Autors. Das Projekt wird von Prof. Dr. Wolfgang Sander (Institut für Didaktik der Sozialwissenschaften am Fachbereich 03 der Justus-Liebig-Universität Gießen) betreut und von Prof. Dr. Henning Haase (Fachbereich Psychologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main) beraten. So werden Erkenntnisse aus der Politikdidaktik, den Sozialwissenschaften und der Marktpsychologie miteinander vereint. Mit der Durchführung der 5.000 Befragungen war das renommierte Marktforschungsinstitut TNS Emnid beauftragt. Im Jahr 2003 erscheint ein weiterer Band, der ergänzend zu den nun vorliegenden Daten einer Bevölkerungsbefragung weitere Erkenntnisse zur Marktforschung in der politischen Bildung vorlegt.

Die Studie zeigt, dass es durchaus einen deutlich größeren Bedarf an politischer Bildung in der Bevölkerung gibt, als bisher angenommen. Durch eine mangelnde Bedarfsorientierung in der Bildungsplanung bleiben die Bürgerinnen und Bürger allerdings bisher alleine mit ihren Fragen, dies kann sich nun durch die Arbeit mit den gewonnenen Daten ändern. Die Befunde verdeutlichen eine große Chance für die außerschulische politische Bildungsarbeit und zugleich eine große Herausforderung für deren Akteure und Strukturen.

[1] Rahmenbedingungen (Kosten, Begleitangebote, Qualitätsaspekte, Werbung im Vorfeld, Entfernung, Dauer, Aktualität etc.), die ein Bildungsangebot erfüllen muss, um wahrgenommen zu werden.

[2] Zum Beispiel, bei welchen politischen Bildungsträgern die Bürgerinnen und Bürger Angebote wahrnehmen würden.

 

 

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