Stimmen zum Bericht
An dieser Stelle (Rubrik "Stimmen zum Bericht") werden im Laufe des Jahres Beiträge, Rezensionen, Kritik und Anregungen zum Bericht politische Bildung 2002 und zum Aspekt der Marktforschung eingestellt (vgl. auch Rubrik "Beiträge"). Wenn Sie einen Beitrag schreiben möchten, mailen Sie uns einfach (längere MS Word-Texte werden dann in ein pdf-Dokument umgewandelt): info@berichtpolitischebildung.de. Alle Beiträge werden eingestellt.
Die Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg schrieb:
Für Anbieter der politischen Bildung ist dieser Bericht die Hilfe, die wir seit Jahren gebraucht hätten. Können wir doch nur teilweise die Reaktionen unseres Publikums registrieren und hören wir doch oft genug gerade von Politikern, unsere Arbeit sei im Zeitalter des Fernsehens und der Medien überflüssig. Der Bericht zeigt auf, unsere täglichen Eindrücke, daß Bürger und Bürgerinnen von uns vertiefende Information und kurze Antworten auf Ihre Fragen erwarten - wir haben 36.000 Besucher/innen im Jahr - sind berechtigt. Der Bericht ist Bestätigung und Anleitung für neue Strategien zugleich. Ich habe das Gesamtfazit des Berichts wegen der Bedeutung der Aussagen an unseren Beirat verteilt.
Dank und großes Lob!
Herzliche Grüße
Dr. Helga Kutz-Bauer
Landeszentrale für pol. Bildung
Große Bleichen 23
20354 Hamburg
Der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt schrieb:
Nach der bisherigen, leider nur partiellen Lektüre, der Marktanalyse zur politischen Bildung kann ich das IJBG nur beglückwünschen – nicht nur dazu, diese Marktanalyse in Angriff genommen zu haben, sondern auch dazu, der politischen Bildung eine wertvolle Datensammlung und -analyse zur Verfügung zu stellen, welche vor allem für die Planung bedarfsgerechter Bildungsangebote von besonderer Bedeutung sind. Obwohl, das lassen Sie mich kritisch anmerken, die Datenanlage und auch deren Auswertung aus meiner Sicht etwas „westlastig“ ist, was aber den Gesamtwert der Analyse nicht mindert.
Bernd Lüdkemeier
Jürgen Nestmann, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Arbeit und Leben sieht die Studie als "sehr hilfreich für die ständige Diskussion und die Auseinandersetzung um Strukturen und Mittel für die politische Bildung" an.
Prof. Dr. Peter C. Dienel (Erfinder des Bürgerbeteiligungsverfahrens der Planungszelle/Bürgergutachten) schrieb als Reaktion auf den Beitrag in der Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte" u.a., dass er den "Aufsatz in der o.g. Beilage (...) mit Interesse gelesen [habe]. Es ist in der Tat an der Zeit, dass vermehrt über die politische Bildung nachgedacht wird."
Prof. Dr. Benno Hafeneger (Universität Marburg) schrieb als Fazit in seiner Rezension zum Bericht: "Auf Grund der bisher gänzlich ungenügenden Datenlage und dem weitgehenden 'Stochern im Nebel' können die empirischen Befunde des Berichts und der zugehörigen CD-ROM für das Feld der politischen Bildung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er bietet mit Blick auf die Bürger-/ Kundenseite und in kluger Reflexion des Feldes eine solide quantitative Basis - bei gleichzeitig interpretativen Begrenzungen - für eine solide Diskussion über politische Bildung. Es werden Erkenntnisse angeboten, die weitergehende Fragen und Studien stimulieren und die den Trägern informative und auch strategische Hinweise geben, über ihre Angebote und Themen, ihre Planung und Lernformen nachzudenken, weil es eine Kernbotschaft hervorzuheben gilt: Außerschulische politische Bildung in öffentlicher Verantwortung (...) wird ihr Potenzial nur ausschöpfen können und ihre Reichweite steigern, wenn sie 'tiefgreifende Eingriffe in die Struktur' [zitiert wird aus dem Bericht, S. 216] realisiert. Für eine demokratie- und bildungspolitisch gehaltvolle Diskussion und für kluge Reformstrategien bedarf es einer soliden Datenbasis; dazu kann - so auch das Anliegen des Vorhabens [gemeint ist das komplette Dissertationsvorhaben des Autors] - das empirische Material des Berichts als ein wichtiger Schritt betrachtet werden."
Der Bericht
liefert nach Auffassung von Prof. Dr. Wolfgang Sander (Politikdidaktik
Universität Gießen) "tragfähige Antworten (...), die nicht nur einen
substanziellen Beitrag zur Schließung einer gravierenden Forschungslücke
leisten, sondern die gesamte Diskussion um das Selbstverständnis politischer
Erwachsenenbildung bis auf weiteres auf eine neue Grundlage stellen."
"Der
methodische Ansatz dieser ersten bundesweit repräsentativen Erhebung ist überzeugend.
(...) Dank dieser Begrenzung unterliegt die Arbeit an keiner Stelle der in der
Praxis immer wieder zu beobachtenden Gefahr, eine Ausweitung des Marktanteils
politischer Bildung durch Aufgabe ihrer fachlichen Identität anzustreben. Ganz
im Gegenteil kann der Verfasser überzeugend nachweisen, dass gerade auch bei
ganz konventionellen Themen politischer Bildung wie etwa bei begleitenden
Lernangeboten in Wahlkämpfen oder bei Hintergrundinformationen zu aktuellen
Medienberichten die Diskrepanz zwischen dem Bedarf in der Bevölkerung und der
tatsächlichen bisherigen Reichweite groß, in Teilen auch dramatisch groß ist.
(...) Die Arbeit kann schlüssig zeigen, dass politische Bildung im
Bildungsmarkt der Erwachsenenbildung tatsächlich weitaus größere
Entwicklungschancen hat als sie derzeit realisiert."
Prof. Dr. Henning Haase (Psychologe und Marktforscher Universität Frankfurt/M.) hebt heraus, dass der Verfasser des Berichts die zunehmend zu beobachtende "nahezu 'unheimliche' Einvernahme vieler gesellschaftlicher Lebensbereiche unter der Fahne allseeligmachender Ökonomie" und daraus folgender falscher Analogien "sehr klar [sieht], so dass seine Ausführungen niemals zu jenen platten Schlussfolgerungen führen oder Anlass geben, missverstanden zu werden: nämlich alles und jedes in unserer Gesellschaft richte sich nach dem neoliberalen Kalkül von Angebot und Nachfrage in konkurrenzierenden Märkten."
Medienspiegel mit Ausschnitten aus Newslettern und Hinweisen auf den Bericht politische Bildung
Eindrücke und Reaktionen ein halbes Jahr nach Erscheinen des Berichts
Absatz: Rund 350 Dachorganisationen, Bildungsträger, Universitäten, Multiplikatoren und Zuwendungsgeber haben zum Teil mehrere Exemplare (insgesamt mehr als 600) des Berichts bestellt.
Siehe auch Veröffentlichungen und Presseberichterstattung in der Rubrik "Beiträge" und "Presse" und die Vortrags- und Fachtagungsreihe zum Bericht in der Rubrik "Veranstaltungen".
Ø Bürgerorientierung in der Bildungsplanung
Ø Umgang mit und Bewertung der Befunde zur Aktualität in der Bildungsplanung
Ø Umgang mit und Bewertung der Befunde zur Dienstleistungsfunktion und Orientierungshilfe politischer Bildung - auf unterschiedlichen Ebenen und Dimensionen
Ø Umgang mit und Bewertung der Befunde zur Konsumorientierung der Bürger; Stichwort: kurzfristige Informationsangebote vs. tiefgehende Bildungsangebote
Ø Umgang mit und Bewertung der Befunde zur Trennung von interessen(gruppen)orientierter und interessen(gruppen)freier Bildungsarbeit
Ø Strukturfragen politischer Bildung: Nähe, Bekanntheit, Schnelligkeit, Neutralität, Einsatz aufsuchender Bildungsformate
Positive Rezeption (Mehrheit der Bildungspraktiker, die die Problematik der geringen Reichweite erkannt haben und neuen Gedanken gegenüber offen sind):
Ø Der Bericht wird begrüßt, da er versucht Klarheit in die schwierige Frage zu bringen, ob denn politische Bildung überhaupt ein Thema für die Bürger ist und was sie wollen.
Ø Der Bericht wird mit Blick auf die Möglichkeit zur Untermauerung der Argumentation gegenüber Zuwendungsgebern begrüßt.
Ø Ein Umdenken in der eigenen Bildungsarbeit wird bezüglich (1) der Bürgerorientierung und (2) der Frage der Aktualität der Bildungsangebote sowie (3) einer Verlagerung hin zu kurzfristigeren Bildungsformaten und einer damit verbundenen Dienstleistungsfunktion gefordert.
Ø BpB und HLZ sehen sich in ihren vorgenommenen Änderungen (stärkere Berücksichtigung des Wahlkampfs, Materialienpolitik Internet etc.) z.Tl. bestätigt (es wurde vom Autor darauf verwiesen, dass man nicht im Schwerpunkt auf das Internet setzen sollte wegen immer noch vorhandener digitaler Spaltung der Gesellschaft) und wollen Gedanken der Regionalisierung der Bildungsarbeit, der begonnenen Empiriearbeit, der Imagewerbung und Kursdatenbank aufgreifen.
Ø Z.B. die VHS macht sich Gedanken darüber, ob sie mit Blick auf den sich für sie ergebenden Marktvorteil politische Bildung nicht zu sehr vernachlässigt hat und der Vorschlag einer kommunalen Servicestelle für politische Bildung wurde positiv aufgenommen.
Ø Fazit: Man zeigt sich zum Umdenken und zur Veränderung der Arbeitsweisen bereit. Rahmenbedingungen durch die Zuwendungsgeber (Stichwort “Abrechnungsmodelle”) sind zu verändern (Resolution wurde in Nds. erstellt; Einsicht bei Zentralen für politische Bildung erkennbar) und der Umdenkungsprozess durch weitere Diskussionen zu fördern.
Ø Es rücken Bildungsträger in das Interesse und nehmen an Diskussionen teil, die bisher nicht durch die etablierten Strukturen und Bündnisse vertreten sind und sich andere Gedanken machen.
Ø Der Bericht wird begrüßt, da nach langer Zeit (nicht nur im Fach) wieder über politische Bildung gesprochen wird.
Ø Der Bericht wird begrüßt, weil er nicht nur wissenschaftliche Aspekte berücksichtigt, sondern mit Blick auf die Bildungsplanung konkrete Hilfen anbietet.
Ø Durch die mit dem Bericht erstmals erfolgte primärdatenbezogene Marktforschung werde ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung der Marketingdiskussion geliefert.
Negative Rezeption (lautstarke Minderheit, vorwiegend Verbandsvertreter, Missionsdimensionen treten hervor)
Ø Verlieren in der Methodenkritik und Ausblendung der Ergebnisse (man wendet sich Ihnen gar nicht erst zu, was bequemer ist, vor allem wenn sie jahrzehntelanges eigenes Handeln infrage stellen): (1) Unterstellen eines “falschen” Verständnisses von politischer Bildung/Tenn(un)schärfe; (2) Grundsätzliche Kritik an empirischer Sozialforschung ("Das glaube ich nicht!"); (3) Es wird lieber darauf verwiesen, was alles nicht berücksichtigt wurde aus der Sicht von einzelnen (Genderfragen; Format xy, das in der Region z verwandt wird etc.), als auf vorhandene Ergebnisse einzugehen.
Ø Konsumorientierung der Bürger wird als problematisch angesehen und dieser Teil der Bevölkerung soll ausgeklammert werden, da man sich hier nicht zuständig fühlt (Anm.: 1. Missionsdimension: Bürger wird nicht ernst genommen, man weiß schließlich besser, was die richtige Bildungsarbeit ist; “Bürgerschelte” wird dabei von einigen betrieben - Bürger könnten sich nicht richtig einschätzen, politische Bildung muss doch ...).
Ø Politische Bildung muss aus Sicht einiger Kritiker Orientierungen im Sinne einer Meinung vorgeben und durch die Pluralität ist ihrer Meinung nach eine an politischen Werten orientierte Bildungsarbeit unproblematisch (Anm.: 2. Missionsdimension - ungeachtet der Tatsache, dass nur wenige Bürger dazu bereit sind in mehrere Veranstaltungen zu interessengruppengebundenen Trägern zu gehen).
Ø Aktualität: Hier kann politische Bildung nichts Eigenständiges und Schnelles bieten, langfristiges Reflektieren ist geboten und man sollte/kann derartige heikle Situationen nicht für Bildungsarbeit nutzen.
Ø Diskussionsbedarf wird angemeldet, dass Zuwendungsgeber die Ergebnisse nicht ”falsch verstehen”.
Ø Insgesamt wird eine Scheu vor der Überprüfbarkeit deutlich: Ablehnen einer Teilnehmerstatistik, die Klarheit bringt und auch "Köpfe" und nicht nur Teilnahmefälle zählt, also Doppelbelegungen sichtbar macht; unterschiedliche Auffassungen über die Reichweite, Ablehnen von Wirkungsforschung, Methodenkritik zum Bericht (Anm.: gab es daher und auf Grund der o.g. Missionsdimensionen in der Geschichte politischer Bildung nie einen solchen Bericht?).
Ø Zu ersten vorgeschlagenen Handlungskonsequenzen wird Folgendes geäußert: (1) Das ist mit der derzeitigen Struktur nicht machbar, dazu bräuchte man ja eine Neuorientierung/Wende in der Bildungsarbeit und der Förderpolitik - (Anm.: Ja genau!); (2) Das ist ja nichts Neues (aneinander Vorbeireden wegen der Eigenwelten im Kopf); (3) Bericht wird als Angriff und Kampfschrift verstanden - Angst, etwas weggenommen zu bekommen ist spürbar; (4) es wird ein "falsches" Verständnis von politischer Bildung unterstellt.
Fazit: Es scheint (positiv wie negativ) ein Nerv im Fach getroffen zu sein. Das Interesse ist sehr groß. Die Umsetzung der Bürgerorientierung bzw. der Umgang mit den Daten bleibt abzuwarten: Setzt sich Beratungsresistenz durch (“Käseglocke”) oder treten nachhaltige Veränderungen ein?
Auszumachende Muster:
1. Nutzung zur Erkenntnis über die eigene Arbeit
2. Nutzung zur Bürgerorientierung in der Bildungsplanung
3. Nutzung zur Legitimation politischer Bildung - hoffentlich nicht im Sinne eines “Weiter so”, aber das ist nun mal die Möglichkeit mit einer bewusst offen gehaltenen Database
Hinweis, um zwei (gewollten?) Missverständnissen entgegenzutreten:
Zur Ausgangslage der heutigen geringen Reichweite politischer Bildung ist festzuhalten, was in Kapitel 2.2.2 von Band I der Gesamtarbeit (s. Downloadbereich) ausgeführt und bisher nicht widerlegt wird. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Zum Verständnis an politischer Bildung in der Arbeit: Es sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die breite Zusammenstellung von Bildungsformaten zur außerschulischen politischen Bildung, aus der die Befragten die für sie infrage kommenden auswählen konnten, an die vorherige Auswahl mindestens eines Themenfeldes politischer Bildung gekoppelt war. Nur wer also einen solchen Inhalt benannte, zu dem er ein politisches Bildungsangebot haben möchte (hier wurde ein enges Verständnis politischer Bildung angelegt, mit einer Konzentration auf das Politische und nicht eine grenzgängige Bildungsarbeit!), konnte ein Bildungsformat auswählen.